Brücke, nicht Teil

In diesen Wochen ist es hundert Jahre her, seit im ersten Balkankrieg von 1912/13 das letzte europäische Volk, nämlich das albanische, seine Unabhängigkeit vom türkischen Großreich der Osmanen errang. Zehn Jahre später bildete sich mit der republikanischen Türkei jener zentralistische Nationalstaat heraus, der es gegen die Teilungspläne der Siegermächte und Freiheitsbestrebungen verschiedener Nationalitäten schaffte, das kleinasiatische Anatolien zu behaupten. Europäisch ist an der Türkei seitdem nur noch das östliche Thrakien, also 3,2 Prozent des Staatsgebietes.
Dennoch wird seit 90 Jahren, und vor allem heute, sowohl in Europa als auch in der Türkei mit großer Leidenschaft über das Verhältnis beider diskutiert, die häufig irrationale Züge annimmt. Bei den Europäern mischen sich Ängste aus den Türkenkriegen der frühen Neuzeit mit Debatten über die Zukunft der europäischen Einigung; bei den Türken vermengen sich Fragen des nationalen Prestiges mit dem Ringen um die kulturelle Identität.
Die aus Asien kommenen Osmanen errichteten ihr Fürstentum zunächst in Nordwestanatolien, verlegten aber ihre Hauptstadt schon in der nächsten Generation – Ende des 14. Jahrhunderts – ins europäische Adrianopel (Edirne). Konstantinopel (Istanbul) eroberten sie von ihren europäischen Territorien aus und erhoben fortan den Anspruch, Erben des römischen Kaisertums zu sein. Die republikanische Türkei der zwanziger und dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts versuchte, alles Asiatische und Arabische aus ihrem kulturellen Erbe zu tilgen, und predigte einen Nationalismus, der im radikalen Flügel der Französischen Revolution wurzelte. Dennoch blieb gerade in der anatolischen Landbevölkerung der Islam die entscheidende Kraft.
Daraus resultieren die extremen innenpolitischen Schwankungen von heute. Die Europäische Union verlangt von ihrem südöstlichen Nachbarn, gleichzeitig laizistisch und demokratisch zu sein. Dies widerspricht sich aber. Der Laizismus mit seiner autoritären Bekämpfung jahrhundertealter osmanischer und islamischer Traditionen war stets ein Minderheitenprojekt und konnte von den Eliten in Verwaltung und Armee immer wieder nur mit undemokratischen Mitteln durchgesetzt werden. Eine wirklich demokratische Türkei wendet sich, was das Ergebnis der ernsthaften Demokratisierungsbestrebungen der letzten Jahre beweist, verstärkt der Religion und dem Erbe des alten Reiches der Sultane und Kalifen zu. Dies ist ganz natürlich und steht keinesfalls im Widerspruch zu wirtschaftlichen und auch kulturellen Modernisierungsbemühungen.
Umgekehrt versteckt sich hinter der europäischen Türkeidebatte die Frage nach dem Europabild. Nicht Christentum und Islam sind hier die Gegensätze; denn den europäischen Charakter muslimisch geprägter Staaten wie Albanien und Bosnien-Herzegowina bestreitet niemand, während weder das christliche Äthiopien noch das christliche Kanada zu Europa zählen. Dennoch geht es darum, die Europäische Union nach der bevorstehenden und unverzichtbaren Erweiterung um den westlichen Balkan nicht noch heterogener werden zu lassen….

http://www.bernd-posselt.de/article.php?efxf_artikel=1497

Advertisements

„Ist das nicht Demokratie?”

Erstmals seit Beginn der blutigen Krawalle in Ägypten hat sich der islamistische Präsident Mohammed Mursi zu Wort gemeldet.

Er rief die Ägypter am Donnerstagabend in einer Fernsehansprache zur Geschlossenheit auf. Gleichzeitig verteidigte er seine Politik.

1.bild

Er sagte, die Mehrheit müsse entscheiden.

„Ist das nicht Demokratie?”, fragte er.

 

 

http://www.bild.de/politik/ausland/aegypten-krise/pulverfass-aegypten-angst-vor-neuer-gewalt-27567462.bild.html